Bodega-Porträts //

17.11.2020

Weinbau am Limit

Die Familie Vallejo und ihr kastilisches Hochlandprojekt Pagos de Vallejo

Schon seit Generationen keltern die Vallejos Wein im nördlichen Hochland Alt-Kastiliens und Javier Vallejo Senior ist stolz auf die Winzertradition der Familie. Doch erst mit seinem Sohn Javier Junior konnte er seinen Traum von einer eigenen Kellerei auf professionelle Füße stellen.

Schon seit Generationen keltern die Vallejos Wein im nördlichen Hochland Alt-Kastiliens, und Javier Vallejo Senior ist stolz auf die Winzertradition der Familie. Doch erst mit seinem Sohn Javier Junior konnte er seinen Traum von einer eigenen Kellerei auf professionelle Füße stellen.

Die kleine Kellerei Pagos de Vallejo befindet sich am Nordwestrand der Ribera del Duero, unweit der historischen Weinwachstumsgrenze, welche das fruchtbare Esqueva-Tal vom kargen Hochland trennt. Wie so viele Dörfer Alt-Kastiliens kann Tórtoles de Esqueva auf eine weit zurückreichende Weinhistorie verweisen, die zwar in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts an Dynamik verliert, heute jedoch mit engagierten Familien wie den Vallejos wieder auflebt.

 

Pagos de Vallejo Die kleine Kellerei Pagos de Vallejo befindet sich am Nordwestrand der Ribera del Duero im Dorfchen Tortoles de Esqueva das auf eine weit zuruckreichende Weinhistorie verweisen kann

Die kleine Kellerei Pagos de Vallejo befindet sich am Nordwest-Rand der Ribera del Duero im Dörfchen Tortoles de Esqueva, das auf eine weit zurückreichende Weinhistorie verweisen kann.

 

Kalkhänge und raue Höhenlagen

Das Esqueva-Tal mit seinen drei Anrainerprovinzen Palencia, Valladolid und Burgos ist seit je her für seine Viehwirtschaft bekannt und Namensgeber für einen der bekanntesten Käse Kastiliens. Dennoch beschloss Vater Javier vor über 20 Jahren an ausgewählten Punkten seines Heimattals Wein neu anzupflanzen. Er muss eine genaue Vorstellung seines zukünftigen Terroirs gehabt haben, um den Mut aufzubringen, an den extrem armen Kalkhängen, die fast weiß im Dunst über dem Tal schimmern, über acht Hektar Tempranillo zu setzen.

Weinmacher Javier Junior dankt es ihm heute, denn die außergewöhnlichen Rebberge bilden den Kern von Pagos de Vallejo und stellen das Gros des Lesegutes für die drei Weine des Familienportfolios. Hinzu kommen einige sehr alte Kleinstparzellen, die ebenso in die Produktion eingehen, und neben Tempranillo auch etwas Garnacha tinta sowie Albillo Mayor aufweisen. Die sehr alten Weinberg-Plots fielen den Rodungen im 20. Jahrhundert nicht zum Opfer und dienten Javier Senior zur Bereitung eines handwerklich gekelterten Clarete-Typs aus roten und weißen Trauben – für sein Klasse überall im Esqueva-Tal berühmt. Noch heute besteht der Vater auf eine kleine Menge seines Weines, den er nach alter Manier keltert und mit seiner Familie und seinen Freunden genießt.

Pagos de Vallejo Auch einige sehr alte Kleinstparzellen gehen in die Produktion ein und weisen neben Tempranillo auch etwas Garnacha tinta und Albillo Mayor auf

Auch einige sehr alte Kleinstparzellen gehen in die Produktion ein und weisen neben Tempranillo auch etwas Garnacha tinta und Albillo Mayor auf.


Als Sohn Javier die Zügel übernahm, entschied er gemeinsam mit seinem Vater, Bruder Jorge und Mutter Lucinda, die Philosophie des Kleinbetriebes noch weiter auf extreme Lagen, kleine Produktionsmengen und nachhaltig gewonnenes Traubengut auszurichten. Die Entscheidung ins Hochland über dem Tal zu gehen und auf dem gefürchteten Páramo – dem kastilischen Ödland mit seinen kargen, steinigen und von kalten Meseta-Winden geplagten Tafelbergsituationen Tempranillo und Garnacha zu pflanzen, war und ist eine enorme Herausforderung. Trotz allem spricht alles für diesen Schritt, denn vor dem Hintergrund der klimatischen Veränderungen ist Höhe ein qualitativer Schlüsselfaktor. Zudem weist die nördliche Hochebene etwas mehr Niederschläge als das südliche Ende der Ribera del Duero auf und sorgt in puncto natürliche Wasserversorgung für zusätzliches Qualitätspotenzial.

 

Ein kleines Portfolio präzise gearbeiteter Weine


Sicherlich bringt Vater Vallejo viel handwerkliche Erfahrung mit, doch Sohn Javier mit Erfahrungen in Übersee und Zentraleuropa kanalisiert die Möglichkeiten des Betriebes auf wirklich effektive Weise. Seit 2013 ist die Familie mit ihren Weinen am Markt, und mit Buen Camino tinto lieferten die Vallejos einen gelungenen Einstieg. Der holzausgebaute Tempranillo repräsentiert sozusagen den Fingerabdruck der Vallejo-Weinberge mit einer Selektion verschiedener Parzellen und Standorte. Vor einigen Jahren legten die beiden Weinmacher dann mit Noroeste eine Einstiegsqualität auf, die auf der Basis etwas früher gelesener Trauben viel klare Frucht und attraktive balsamische Frische zeigt, die nur sehr dezent mit Holz unterlegt ist. Das Spitzengewächs hingegen entstand erstmals 2014 und ist nach der teilweise mit sehr alten Reben bestockte Guademeya-Parzelle benannt. Sie wird in kleinen, offenen Kelterbecken gemaischt und bekommt in der Regel 15 Monate Reifezeit im französischen Barrique verschrieben. Guademeya zeigt wohin der Weg führt und welch´ bemerkenswertes Potenzial im Projekt Pagos de Vallejo steckt.

Kontakt:Javier Vallejo
pagosdevallejo@gmail.com

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