Bodega-Porträts //

05.11.2019

Führend in Innovation und Kontinuität

Bodegas Ochoa im Herzen Navarras

Navarra zählt schon seit vielen Jahrzehnten zu den erfolgreichsten Appellationen Spaniens. Das kleinere der beiden berühmten Anbaugebiete am oberen Ebro spricht Liebhaber traditioneller Gewächse ebenso an wie Freunde eines etwas festeren und fruchtigeren Zuschnitts.

In den Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts musste sich die DOP neu erfinden, um die Weichen für die Zukunft stellen zu können, und kaum ein Erzeuger hat sich so um die Neuorientierung Navarras verdient gemacht, wie Bodegas Ochoa.

Der Schritt in die Gegenwart

Als Javier Ochoa seine ersten Weine vor fast fünfzig Jahren abfüllte, trat er ein jahrhundertealtes Familienerbe an, erkannte aber schnell, dass Neuerungen vonnöten waren, wenn sein persönliches Kellerei-Projekt Zukunft haben sollte. In Zusammenarbeit mit der Regionalregierung in Pamplona legte er ein Förderprogramm zur Modernisierung des Weinsektors der Region auf und sorgte dafür, dass moderne Kellertechnik in den Bodegas der Appellation Einzug halten konnte. Er trug wesentlich zum Aufbau des Weinforschungsinstituts EVENA bei, dem er über viele Jahre vorstand und ebnete den Weg für die Einführung internationaler Sorten im Gebiet. Nicht umsonst entstehen heute in Navarra hervorragende rote Blends nationaler und internationaler Sorten sowie zweifelsohne einige der attraktivsten Chardonnays in ganz Südeuropa. Die Nachfolger seiner überaus renommierten eigenen Gewächse sind bis heute unter der Javier-Ochoa-Serie weltweit erfolgreich.

Der Anspruch der neuen Generation

Gänzlich sorgenfrei trat Tochter Adriana sicherlich nicht in die Fußstapfen ihres berühmten Vaters. Doch schnell stellte sich heraus, dass auch ihr die große Stärke der Ochoas, Kreativität mit seriöser Kontinuität zu verbinden, in die Wiege gelegt worden war. Schon mit ihrem ersten Wein Mil Gracias, einem sortenreinen Graciano aus dem grandiosen Jahr 2006, machte sie ihren Anspruch klar, eine ganz eigene und unverwechselbare Handschrift zu entwickeln. Dabei zeigt sie sich ungemein vielseitig und gleichzeitig sehr gewissenhaft und gründlich. Denn einerseits die famosen traditionellen Weine ihres Vaters fortzuführen und andererseits zwei eigene Kollektionen aus der Taufe zu heben, verlangt nicht nur maximales Können, sondern auch ein hohes Maß an Flexibilität. Hinzu kam die Entscheidung, die fast 150 Hektar eigene Rebfläche auf biologische Landwirtschaft umzustellen. Ein Muss für die junge Navarresin, der die Gesundheit der drei großen Spitzenlagen des Betriebes ganz besonders am Herzen liegt.

Drei Serien – drei Welten

Adriana kanalisiert ihre Kreativität in drei voneinander unabhängige Weinlinien. Einige Jahre nach ihrem Debüt fasste sie die Jungweine der Kellerei unter der Marke Calendas zusammen. Ein wichtiger Aktivposten ist natürlich der für ein Navarra-Haus obligatorische Rosado, der sich in diesem Falle neben der Tempranillo vor allem auf die Garnacha stützt. Adriana beschäftigt sich schon seit Jahren mit dieser großen traditionellen Rebsorte des Gebietes. In mühevoller Kleinarbeit konnte sie über 200 Garnacha-Klone aus über fünfzigjährigen Parzellen der gesamten Appellation zusammentragen und diese auf alte Unterlagen stecken. Damit dürfte die in Bordeaux und Toulouse ausgebildete Weinmacherin wohl über einen der größten Bestände an massal selektionierten Genbeständen dieser Sorte verfügen. Wie die neue Rosado-Kreation auf der Basis dieses Pflanzungsmaterials ausfallen wird, ist noch nicht klar. Selbstredend wird es ein wegweisender Rosado unter all den hervorragenden Rosados des Gebietes werden. Besonders stolz ist Adriana auf ihre Serie 8A mit höchst eigenwilligen Gewächsen und einem Moscato, darunter ihre Debüt-Kreation Mil Gracias oder die komplexe Cuvée 8A La Foto de 1938. Und dann natürlich die Serie der Weine ihres Vaters, von ihr verfeinert und mit noch ein wenig mehr Schliff versehen. Für viele Navarra-Fans nimmt insbesondere das Single-Vineyard-Gewächs Finca Montijo von Bodegas Ochoa einen Platz in der ersten Reihe der großen Navarra-Rotweinreferenzen ein. Für andere wiederum ist es die Gran Reserva auf der Basis von Tempranillo, Cabernet Sauvignon und Merlot, die schon aufgrund ihrer außerordentlichen Lagerfähigkeit zu den wichtigsten roten Gewächsen der Appellation gezählt werden muss. Wie dem auch sei. Eine ganz besondere Leistung, und als solche natürlich Kernstück der Serie Javier Ochoa, stellt der Ochoa Moscatel dar. Der Wein genießt Kultstatus, und auch hier hat Adriana Ochoa vorsichtig Hand angelegt. Der heutige Wein aus der kleinbeerigen Moscatel-Traube entsteht nicht mehr nur aus spät gelesenem Lesegut, sondern wird verfeinert mit einer kleinen Partie einer Vorjahresfraktion aus komplett rosinierten Trauben, die neun Monate auf den Schalen ausgebaut wurde. Trotz seiner 230 Gramm Restzucker brilliert der Wein mit Eleganz und erfrischend klarer Frucht. Spätestens dieser außergewöhnliche Süßwein zeigt die innovative Kraft des Betriebes, der von Adriana und ihrer Schwester Beatriz in die Zukunft geführt wird.

Kontakt:Informationen und Musterflaschen:
info@bodegasochoa.com
www.bodegasochoa.com

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